Beziehungen

Wozu Beziehungen?

"Alles wirkliche Leben ist Begegnung." (Martin Buber, Philosoph)

Wie sich's in einem Land leben lässt hängt sehr von den Beziehungen der Menschen zueinander ab. Die Qualität der Beziehungen bestimmt ganz entscheidend die Qualität einer Gesellschaft.

Von unserer Geburt an werden wir durch die verschiedensten Begegnungen und Beziehungen geprägt. Diese haben am Muster unseres Lebens mitgestrickt und Spuren hinterlassen.

Fast alles Wichtige im Leben hat mit Beziehungen zu tun. Glückliche Beziehungen sind wesentlich für ein glückliches Leben. Probleme in den Beziehungen - besonders im engsten Kreis von Ehe, Familie und Partnerschaft - sind immer auch Probleme, die das ganze Leben belasten.

Eine Umfrage unter jungen Erwachsenen ergab, dass bei ihnen folgende vier "F" als die wichtigsten Werte gelten: 1. Familie, 2. Freundschaft, 3. Freizeit, 4. Finanzen. An den beiden ersten Stellen stehen Beziehungen!

Beziehungs-Killer

Warum erschöpfen sich unsere Kräfte in den Beziehungen, statt dass wir aus den Beziehungen Kräfte schöpfen?

Es gibt viele Dinge, die Beziehungen stören und zerstören. Da wäre z.B. der Individualismus. Er ist einer der Megatrends unserer Zeit. Natürlich hat er seine wünschenswerten Seiten. Aber es gibt auch negative Aspekte. So ist sich der ausgeprägte Individualist letztlich oft selbst genug. Es geht ihm eigentlich nur um sein eigenes Glück: "Mir geht nichts über mich!" Es gilt für ihn viel zu oft: Hinter mir die Sintflut! Dieser Individualismus, der eigentlich kultivierter Egoismus ist, zerstört Gemeinsamkeiten. Beziehungen werden dadurch problematischer.

Wenn man sich die vielen verschiedenen Gefährdungen unserer Beziehungen genau ansieht, dann erkennt man, dass sie letztlich alle einen Ursprung haben: den Egoismus.

Der Egoismus hat, wie alles im Leben, zwei Seiten. Die gute Seite ist nötig für die Selbsterhaltung und ein gesundes Selbstbewusstsein. Die negative Seite jedoch bringt oftmals Kälte, Lieblosigkeit, Härte, Voreingenommenheit und Einsamkeit mit sich. Diese verursachen wieder jede Menge von Problemen. Übersteigerte Selbstliebe macht z.B. nahezu beziehungsunfähig.

Geht es ohne Beziehungen?

"Alle Fehler, Schwächen und Irrungen, die dem Einzelmenschen innewohnen, lassen sich auf seine Ichhaftigkeit zurückführen. Das wichtigste Symptom der Ichhaftigkeit ist die Vereinsamung, der Mangel an Verbindung von Herz zu Herz." (Fritz Künkel, Arzt und Psychotherapeut)

Vieles wird brutaler in unserer Welt. Menschliche Beziehungen werden immer öfter und massiver zu Problemfällen.

Aber ohne Beziehungen geht es nicht! Beziehungen sind nicht nur lebensbestimmend, sie sind auch lebensnotwendig. Im Mittelalter lief einmal ein seltsames Experiment: Der Staufenkaiser Friedrich II. wollte die Ursprache des Menschen finden. Dazu ließ er Babys isolieren. Sie wurden bestens versorgt. Aber niemand durfte mit ihnen auch nur ein einziges Wort reden oder ihnen persönliche Zuwendung schenken. Er hoffte, dass diese Kinder dann von sich aus eine Art Ursprache entwickeln würden. Doch das Experiment ging schief, alle Kinder starben. Sie gingen an fehlender Zuwendung und fehlender Beziehung zu Grunde.

Wir sind schöpfungsmässig auf Beziehungen hin angelegt. Beziehungen gehören zum absoluten Existenzminimum. Gott hat den Menschen so geschaffen. Er ist bestimmt zur Gemeinschaft mit anderen und zur Gemeinschaft mit Gott.

Beziehung zu Gott

"Allein vor Gott wird der Mensch das, was er ist." (Dietrich Bonhoeffer, Theologe)

Diese Beziehung zu Gott gehört zu den wichtigsten. Gott hat alles geschaffen. Er gibt Sinn und Ziel. Wenn die grundlegende Beziehung zu Gott beim Menschen nicht vorhanden ist, dann fehlt ihm eigentlich etwas ganz Wichtiges. Für wen Gott Luft ist, der hängt selbst in der Luft, ohne es zu merken.

Wo die Beziehung zu Gott fehlt, tut sich der Mensch mit sich und der Welt oft sehr schwer. Die Frage nach der Gottesbeziehung ist eine Kernfrage.

Dabei ist es tragisch, dass Gott für viele überhaupt nicht existiert. Und wenn doch, dann oft nur als frommer Aufputz, als Floskel, als Ausdruck für Unerklärliches, als kosmische Energie oder ähnliches. Aber selten als persönlicher Gott, wie die Bibel ihn zeigt, mit dem man hier und jetzt rechnen kann.

Sind Sie irritiert, weil nun Gott und die Bibel ins Spiel gebracht werden? Gewiss der Glaube ist für viele eine fremde Welt, mit der sie nichts anfangen können. Und manche halten den Glauben für reine Einbildung oder gar für einen seelischen Defekt.

Der Glaube ist natürlich keine magische Kraft, die allen Schmerz und alle Not von Glaubenden fernhält. Auch Glaubende geraten in große Schwierigkeiten und bekommen Beziehungsprobleme. Glaubende sind auch keine "Supertypen", besser als alle anderen.

Aber wer glaubt, der hat - ohne ein Träumer zu sein - eine andere Lebensauffassung, auch eine andere Einstellung zur Umwelt, zum Menschen und zu sich selbst. Und dem Glaubenden wachsen Kräfte zu, die sonst nicht da wären.

Gegenmittel

"Das Glück ist nicht in uns, das Glück ist auch nicht außerhalb von uns. Das Glück ist nur in Gott. Und wenn wir ihn gefunden haben, dann ist es überall." (Blaise Pascal, Mathematiker und Physiker)

Der Egoismus ist das größte Gift für Beziehungen. Das stärkste Gegenmittel ist die Liebe. Vom Egoismus hat jeder von uns mehr als genug. Von der Fähigkeit zu lieben oft erschütternd wenig.

Die Bibel sagt uns, dass es eine grenzenlose Liebe gibt: "Gott ist Liebe." Liebe total, Liebe pur. Zweckfreie, vergebende, zurecht bringende, schenkende, helfende und heilende Liebe. Sich Gott anvertrauen, sein Leben bei Gott festmachen, das bedeutet auch Anschluss zu haben an die Kraft dieser Liebe. Diese Liebe kann die Selbstsucht überwinden, Sie kann zerbrechende Beziehungen heilen.

So kann das konkret aussehen: Er ist Pädagoge und hat Psychologie studiert. Während seines Studiums lernte er seine Frau kennen. Neben Familie und Beruf machte er noch den Doktor. Im Rückblick auf jene Zeit schreibt er von sich so: "Nach außen gab ich mich stark und humorvoll, war jedoch sehr selbstgerecht und unnahbar. Aber in meinem Inneren war ich hilflos und sehr oft verzweifelt." In der Ehe kam es zu größten Spannungen, die beide abzubauen versuchten. Sie probierten, was nur möglich war, auch Transzendentale Meditation und Joga. Aber nichts half.

Neue Hoffnung

"Die Glaubenswirklichkeit kann man nur erproben wenn man sich auf sie einlässt." (Carl Friedrich von Weizsäcker, Physiker)

Dann lernten sie überzeugte Christen kennen. Nach vielen Gesprächen mit ihnen wagte sich die Frau, an Gott und seinen Sohn Jesus Christus zu glauben. Danach erfuhr sie einen "Frieden wie jemand, der nach vielen Irrwegen endlich zu Hause ankommt".

Ihm fiel die Entscheidung viel schwerer. Doch nach reiflichen Überlegungen entschloss auch er sich, ein Leben als Glaubender zu beginnen. Das brachte große Veränderungen für ihn und die Familie. Die Beziehung zu seiner Frau entwickelte sich sehr positiv. Er berichtet selbst: "Jesus Christus zeigte mir, dass ich meine Frau im Grunde ablehnte. Das wollte ich mir nicht eingestehen. Als ich ihm diese Ablehnung als Schuld bekannte, fand ich eine große Liebe zu meiner Frau... Ich freue mich, dass ich nach langem Suchen diese Heilung durch Jesus Christus erfahren habe."

Jesus Christus bietet jedem Vergebung seiner Lebensschuld an. Denn er hat alle unsere Schuld am Kreuz gesühnt. Wer diese Vergebung für sich annimmt, der wird auch bereit, anderen zu vergeben. So lässt sich mit Gottes Hilfe belastete und belastende Vergangenheit "aufarbeiten". Auch in puncto Beziehungen.

Die Lösung

"Das Leben beschwört viele Gefahren herauf, aber die schlimmste ist, wenn uns die Beziehung zu Gott missglückt... (Prof. Dr. Erwin Ringel, Arzt und Psychologe)

Es ist entscheidend wichtig, ob wir nur in den normalen Beziehungen innerhalb dieser Welt leben, oder ob da eine Beziehung zu Gott zum Tragen kommt. Sie erschließt uns eine neue Dimension des Lebens.

Eine echte Gottesbeziehung hilft uns, uns selbst als von Gott geliebte Persönlichkeiten anzunehmen. Darin liegt der größtmögliche Selbstwert. Wer sich selbst annehmen kann, weil er sich unendlich geliebt weiß und darum als wertvoll erlebt, der wird in Liebe und Offenheit auch andere annehmen können. Der Glaube schafft darin eine totale Neuorientierung.

Um gelingende Beziehungen leben zu können, müssen diese Beziehungen eingebettet sein in die allerwichtigste Beziehung, in die lebendige Beziehung zu dem lebendigen Gott. Nur wo die Beziehung zu Christus zum Tragen kommt, können unsere Beziehungen in dieser Welt am ehesten tragfähig und beglückend werden.

Was tun, wenn Beziehungen zerbrechen?

Ganz wichtig ist es, offen miteinander zu reden. Aber nicht so wie bisher, wo Sie sich meistens Beschuldigungen an den Kopf geworfen haben. Bemühen Sie sich um ein gutes Gesprächsklima. Sagen Sie, was Sie empfinden. Sagen Sie aber nicht: "Du bist rücksichtslos". Sagen Sie lieber: "Ich fühle mich rücksichtslos behandelt".

Bauen Sie Vorurteile ab. Vorurteile sind Mauern, die trennen. Bauen Sie Brücken, denn Brücken bauen Beziehungen.

Versuchen Sie, sich in den Partner, seine Ansichten und Wünsche, in seine Hoffnungen und Enttäuschungen hineinzuversetzen. Versuchen Sie, von ihm her zu empfinden und zu denken.

Nehmen Sie sich ganz konkrete Dinge vor, um die Beziehung zu verbessern. Setzen Sie diese Dinge konsequent um. Arbeiten Sie an Ihrer Beziehung ernsthaft und intensiv.

Setzen Sie sich mit anderen Leuten zusammen, die Mühe mit ihren Beziehungen haben. Reden Sie über ihre Probleme. Tauschen Sie hilfreiche Erfahrungen aus. Denken Sie miteinander nach, wie Sie Konflikte bewältigen können.

Hier einige wichtige Schritte für einen Neubeginn:

1. Von der Vergangenheit abkoppeln: Mit der Vergangenheit hängen oft Berge von Schuld und Verbitterung zusammen. Hier müssen Sie lernen loszulassen. Ohne Vergebung und Bewältigung der Vergangenheit gibt es keinen Neuanfang.

2. Achtung voreinander wieder aufbauen. Oft hat man die Schwächen und Schattenseiten des anderen bis zum Überdruss kennen gelernt. Aber der Partner hat auch positive Seiten. Seien Sie dafür dankbar. Sprechen Sie Anerkennung aus. Erhalten Sie dem Partner seine Würde. Gehen Sie so mit ihm um, wie Sie möchten, dass man Sie behandelt.

3. Auf Zuhören umschalten. Oft verstehen wir einander nicht, weil wir nur halb oder gar nicht zuhören. Oder weil wir gleich alles besser wissen. Es ist so wohltuend, jemand zu haben, der einem zuhört. Zuhören erfordert Offenheit: offene Ohren, offene Augen, auch ein offenes Hirn und vor allem ein offenes Herz.

4. Anteil nehmen und Anteil geben. Wer wirklich zuhört, der reagiert dann auch viel eher mit dem Herzen. Und das macht wieder bereit zum Anteilgeben. Wenn sie sich ins Herz schauen lassen, dann kann die Beziehung (wieder) Tiefgang gewinnen.

5. Zuwendung wagen. Auch wenn zu einer Beziehung zwei gehören, so genügt manchmal einer, um eine Beziehung zu verbessern. Echte Zuwendung kann Wunder wirken. Zuwendung heißt Zeit haben, Freude machen, Entgegenkommen, bedeutet Freundlichkeit, Versöhnlichkeit, auch Vertrautheit. Noch eines: Wenn Sie in einer problematischen Beziehung stehen, bedenken Sie bitte intensiv und öfter folgende Sätze in Bezug auf Ihren Konflikt-Partner:

  • Deine Würde will ich achten.
  • Über Deine Stärken freue ich mich.
  • Du wirst von mir so akzeptiert, wie Du bist.
  • Ich möchte Dein Bestes.
  • Ich teile Deinen Schmerz.
  • Ich vergebe Dir Deine Fehler.

Können Sie das so sagen? Wenn nicht, warum nicht? Was müsste sich bei Ihnen ändern, damit Sie das so sagen können? Alleine werden Sie aber kaum eine verfahrene Beziehung retten können. Leergebrannte Partnerschaften, zerbrechende Beziehungen wieder flott zu machen, geht oft über unsere Möglichkeiten hinaus. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Gottes Möglichkeiten sind unendlich. Von ihm können wir die Kraft und die Liebe bekommen, die wir für gute Beziehungen brauchen.

Wie Sie Gottes Möglichkeiten persönlich erfahren können, zeigt Ihnen ein "Wegweiser zum Glauben", den Sie auch unter Anforderung bestellen können, ebenso wie den Test zum Feststellen, welcher Beziehungstyp Sie sind.

Text: Fritz Meier

 

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